Mein Austauschjahr


Exchange isn’t a year in your life, it’s a life in a year

Wieso ein Austauschjahr im Ausland?

Englisch war eigentlich nie meine Stärke. Für eine Vier auf dem Zeugnis musste ich schon stark kämpfen. Meine Englischlehrerin kannte dieses Problem, da es ihr als Schülerin ähnlich ging. Sie gab meiner Mutter den Rat, mich auf eine Sprachreise zu schicken.

Meine Mutter fand diese Idee nicht so toll. Eine Sprachreise sei viel zu teuer und sie war aus eigener Erfahrung der Meinung, dass eine Sprachreise nichts bringe. Oftmals seien es zu viele deutsche Teilnehmer und diese würden dann nur deutsch untereinander sprechen.
Jedoch konnte ich meine Oma von dieser Idee begeistern und bekam von ihr eine Sprachreise zu Weihnachten geschenkt.

Nun fing ich an, mich im Internet über Sprachreisen zu informieren und ließ mir Kataloge zuschicken. Dabei bekam ich auch Werbung über Schüleraustausch-Programme. Der Gedanke, länger als für nur 2 Wochen ins Ausland zugehen, hat mich total gereizt.  Aber so ein Schüleraustausch ist teuer, wie sollte ich meine Eltern überzeugen, mich für ein halbes Jahr ins Ausland gehen zu lassen?
Der Gedanke, für 10 Monate meine Familie und Freunde zu verlassen, machte mir auch ein wenig Angst.

Ich überlegte auch, wie ich dieses Austauschjahr bezahlen könnte, denn die Kosten waren ein Argument meiner Eltern, warum ich nicht gehen sollte.
Aber ich hatte ja noch den Gutschein für die Sprachreise von meiner Oma und mein Konfirmationsgeld hatte ich auch gespart. Dieses sollte eigentlich für meinen Führerschein sein, aber ich wollte ins Ausland.

Also bestellte ich auch die Kataloge-„just for fun“  und stellte sehr schnell fest, das Geld reicht nur für Südafrika, wenn ich  in meinem Austauschjahr Englisch lernen wollte. Na ja und, als die Kataloge kamen, musste ich auch meine Eltern über meinen  Plan informieren. Ich zeigte meiner Mutter, was ich heraus gefunden hatte und nun wurde sie doch ein wenig neugierig. Meine Eltern blieben aber skeptisch, sie waren sich nicht sicher, ob ich mir das wirklich zutraue. Aber 6 Monate vergehen doch recht schnell, war mein Argument um sie weiter von der Idee zu überzeugen.

Oma war auch begeistert. Also fing ich an, mehr Kataloge von verschiedenen Organisationen zu bestellen. Nur Südafrika war ihnen nicht sicher genug. Um noch mehr Informationen und Erfahrungsberichte von anderen Austauschschülern zu bekommen, fuhr meine Mutter mit mir auf die Schüleraustauschmesse in Bielefeld. Gemeinsam haben wir uns bei verschiedenen  Organisationen informiert. Nach den Gesprächen und einer Präsentation von ehemaligen Austauschschülern war ich 100% sicher: „Ich gehe 10 Monate“.

Die Wahl der Qual, welche Organisation?

Nun mussten wir uns entscheiden, welche Organisation, welches Land?  Die Wahl der Organisation war nicht so einfach, da viele Organisationen viel Wert auf gute Noten und ganz besonders der Englischnote legen. Und ich wusste auch immer noch nicht, welches Land? Ich bewarb mich bei einigen Organisationen für ein Austauschjahr in Amerika. In vielen Ländern müssen Austauschschüler die Schulkosten und die Gastfamilien selbst bezahlen. Daher sind diese deutlich teurer. Aber eigentlich wollte ich nicht nach Amerika. Deshalb bewarb ich mich auch noch für ein Stipendium für Ozeanien. In Australien und Neuseeland muss man eigentlich Schulgeld und die Gastfamilien bezahlen, da  australische und neuseeländische Austauschschüler in Deutschland kostenlos auf öffentliche Schulen gehen und auch die Gastfamilien in Deutschland kein Geld bekommen dürfen, gibt es auch ein paar Plätze für deutsche ATS, die weder Gastfamilie noch Schulgeld bezahlen brauchen.

Auswahlverfahren und Vorbereitung

Nach meinen Bewerbungen  wurde ich zu zwei Interviews von verschiedenen Organisationen eingeladen. Einmal für die USA und einmal für das Stipendium Ozeanien. Man erfährt erst mit der Platzierung, ob man nach Australien oder Neuseeland kommt. Diese Plätze sind sehr begehrt  und ich war mir sicher, wenn ich überhaupt angenommen werde, gehe ich nach Amerika.

Doch eines Morgens kam der Anruf, ich hab das Stipendium. Allerdings für ein Kombiprogramm. Ich würde die 10 Monate nicht in einem Land, in einer Schule und einer Gastfamilie verbringen. Man bot uns 5 Monate Neuseeland und 5 Monate Australien an und meine Eltern haben den Vertrag unterschrieben. Nun fing die große Bewerbung an, mit zahlreichen Berichten, Briefen, Zertifikaten, Arztbesuchen und einem Sprachtest. Doch der Aufwand hat sich gelohnt.

Nun hieß es warten. Warten auf den Ort, die Schule und ganz wichtig, auf meine Gastfamilie. Eine Woche vor dem Vorbereitungstreffen von meiner Organisation im Mai, bekam ich die E-Mail. „Gastfamilie gefunden!“ Für mich ging es im Juli 2014 für 5 Monate (am Ende waren es dann doch 7 Monate) nach Bulls, Neuseeland, wo ich auf einer kleinen Farm gelebt habe und die Feilding High School besucht habe.

Allgemein wird gesagt, ein Austauschjahr dauert 3 Jahre. Ein Jahr Vorbereitung, ein Jahr Austausch und ein Jahr Nachbereitung. Das stimmt.

Im Jahr vor meinem Austausch hatte ich viel Organisatorisches zu erledigen. Das Ausfüllen der Platzierungsunterlagen war nicht einfach und sehr aufwendig. Am schwierigsten war die eigentliche Bewerbung. Man schreibt der zukünftigen und noch unbekannten Gastfamilie Briefe, berichtet viel von sich und seiner Familie und sucht die richtigen Fotos. Davon hängt viel ab, denn die Gastfamilie entscheidet, welchen Jugendlichen sie für ein Jahr als Familienmitglied in ihre Familie aufnehmen.
Wichtig sind auch die Vorbereitungstreffen, um den Umgang mit Kulturschock, Heimweh und ganz alleine in einer anderen Kultur, Verhalten bei Problemen etc. zu lernen.

Mein Austauschjahr

Endlich kam der Tag. Ich bin in mein Austauschjahr gestartet. Nach 36 Stunden Flug über Dubai, Sydney und Auckland bin ich endlich in Palmerston North gelandet.
Meine neue Familie hat mich vom Flughafen abgeholt und ich war so aufgeregt.
Angelina, meine Gastmutter, ist Buchhalterin und mein Gastvater Tony ist Polizist. Brooklyn, mein kleiner Gastbruder (11), war echt cool. Ich mochte ihn richtig gern und vermisse ihn. Wie oft hat er mich mit seiner Art zum Lachen gebracht? Sie waren alle so lieb zu mir und ich habe mich bei ihnen immer wie ein Familienmitglied gefühlt.
Ich lebte mit ihnen auf einer kleinen Farm, mit einem Hund, Katzen, Pferde, Schafe, Hühner, Schweine und Kühe.

Genauso aufregend wie am Flughafen war mein erster Schultag. Die Schuluniform hatte ich bereits gekauft, sie sah echt schlimm aus. Schlimmer, als ich es befürchtet habe. Am Anfang konnte ich gar nicht richtig laufen mit dem langen Rock. Es war sehr gewöhnungsbedürftig. Es gab auch einen Dresscode, Mädchen mit langen Haaren mussten einen Zopf tragen. Obwohl ich in Deutschland gerade erst die 9. Klasse abgeschlossen hatte, wurde ich an der Feilding High School in die 11.Klasse, 2. Schulhalbjahr zugeordnet. Ich hatte als Pflichtfächer  Mathe, Englisch, Science (Bio, Chemie und Physik in einem Unterrichtsfach) Meine Wahlfächer waren PE (Physical Education=Sport), History, Economics und Textiles.
Am Anfang fiel mir der Unterricht sehr schwer, weil mein Englisch noch so schlecht war, aber nach einem Monat ging es dann immer besser.

Die Schule begann um 08.40 Uhr und endete um 15.15 Uhr, danach bin ich zu meiner Freundin gefahren und dort geblieben, bis mein Gastvater mich abgeholt hat. Dann holten wir meinen Gastbruder ab und zu Hause haben wir dann gemeinsam Hausaufgaben gemacht. Sobald meine Gastmutter von der Arbeit kam, kochten wir gemeinsam und nach dem Dinner guckten wir alle zusammen Fernsehen. Einmal in der Woche nach der Schule ging ich mit meiner Freundin zum Netball Training. Das hat echt Spaß gemacht!!

Meine Mitschüler an der Schule waren alle super nett. Am Anfang fiel mir es echt schwer, sich die Gesichter und Namen zu merken. Es war immer witzig, wenn die Leute “Hey Leah” sagten, wenn ich irgendwo lang ging und ich nur dachte: “Hilfe, wer bist du?”.

Der Unterrichtsstoff in Klasse 11 war leichter als in Deutschland, schwierig war nur, dass dann auch alles auf Englisch zu verstehen. In Mathe war es besonders komisch, weil wir an der Highschool Sachen gemacht haben, die ich vor einem Jahr in Deutschland gemacht habe und ich am Anfang nicht mehr genau wusste, wie das jetzt ging.

Die meisten waren sehr an mir und meiner Herkunft interessiert. Gerade die Jungs wollten wissen, ob ich schon mal auf der deutschen Autobahn gefahren bin, ohne Speedlimit. Dass es in Deutschland kein Speedlimit gibt, versetzte sie immer wieder in Erstaunen.

Gleich zu Beginn meiner Schulzeit fand der Hostelball unserer Schule statt und es war total toll und hat viel Spaß gemacht. Jeder hat sich hübsch gemacht und es wurde viel getanzt.

Und auch auf dem berühmten Prom war ich.

Ich war noch bei der Orientation von meiner Partnerorganisation für mein Auslandsjahr. Es war ganz cool, auch wenn ich das meiste schon aus Deutschland wusste, aber es war cool mit anderen Austauschschülern aus anderen Ländern zu reden.

Mit meiner Gastfamilie habe ich viel unternommen. Wir waren in Wellington und in ihrem Ferienhaus am Lake Taupo. Ich durfte auch meine Freundin mitnehmen. Sie hatte sich auch richtig gut mit meinem Gastbruder verstanden und wir haben viel zusammen gelacht. Fast jedes Wochenende waren wir unterwegs, da meine Gastmutter und mein Gastbruder Reitturniere hatten. Auf diesen Turnieren waren auch immer Freundinnen und Klassenkameraden, wir hatten viel Spaß.
Wir waren bei den Maoris und wir haben uns über das Leben, die Traditionen und Kultur informiert und hatten traditionelles Essen, welches unter der Erde gekocht wurde. Auch an einem Maori Konzert durfte ich teilnehmen.
Wir waren in verschiedenen Museen und meine Gasteltern zeigten mir viel über die Geschichte Neuseelands.

Ich war oft am Strand und am Lake Taupo und am Blue Lake und wir haben viele spaßige Wassersportaktivitäten gemacht. Auch war ich mit der Familie meiner Freundin Ski fahren. Ein Wochenende hat mich meine Freundin mit ihrer Familie mit nach Napier genommen und wir waren am Strand und sind mit Haien geschwommen.

Für die Austauschschüler wurde von YFU (meiner Partnerorganisation) in den Ferien eine Rundreise über die Südinsel organisiert.

Diese Reise war ein absolutes Highlight. Die Natur der Südinsel  ist das Schönste, was ich je gesehen habe.
Sie startete in Christchurch. Wir waren dort in Doubtful Sound, ein wunderschöner Fjord, und haben die Nacht auf dem Boot verbracht. Das Wasser war so perfekt Türkis. Ich bin Kayak gefahren und Schwimmen gegangen. Von dort ging es, vorbei an wunderschönen Plätzen nach Queenstown. Das  schönste, was ich je gesehen habe, das ganze Land ist wunderschön, aber die Südinsel ist der Hammer und Queenstown erst recht.
Hier habe ich eine „Lord of the Ring“-Tour mitgemacht. Das war echt cool und ich habe so richtig schöne Stellen gesehen. 
Dann mussten wir leider Queenstown verlassen und sind nach Wanaka.

gefahren. Auf dem Weg haben wir in Arrowtown gehalten, wo eine Szene von „Herr der Ringe“ gedreht wurde. Dann ging es nach Franz Joseph Glacier. Am Abend waren wir in den Hotpools, mit Gletscherwasser gefüllte Becken.
Von dort ging es nach Motueka. Auf dem Weg machten wir auch Halt an den berühmten Pancake Rocks in Punkakaiki. Dann ging es zum Abel Tasman National Park. Es ist so wunderschön dort, da man durch den Wald läuft und immer wieder ein paar Strände und tolles türkisblaues Wasser sieht. Wunderschön ist auch die Tasman Bay. Von dort fuhren wir nach Kaikoura. Auf dem Weg dahin haben wir eine risiege Robbenkolonie gesehen. Erst sah man gar nichts, da die Robben die gleiche Farbe wie die Felsen hatten. Und dann ging es leider wieder zurück.

Ein weiteres Highlight war meine Teilnahme am „shemozzle“. Darauf habe ich mich mit meinem Gastbruder schon Wochen vorher vorbereitet. Erst mussten wir die Straße lang laufen, eine Mütze aufheben, über einen Zaun springen, dann weiter die Straße hoch, einen Waldweg entlang, über Zäune klettern, Hügel hochlaufen, durch Wasserhindernisse und Schlammlöcher und über eine Schlammrutsche wieder ins Tal. Im Ort waren weitere Hindernisse aufgebaut, man musste Aufgaben erledigen, wie rohen Fisch mit Essig essen, mit einem Bullenhoden im Mund weiterlaufen und noch vieles mehr. Viele Leute aus meiner Schule waren auch da und haben mich angefeuert und ich bin im Mittelfeld ins Ziel gekommen. Danach war ich total fertig, aber auch glücklich, dass ich das geschafft habe.

Ein weiteres Highlight war das Bonifire. Zusammen mit Familie, Nachbarn und Freunden hatten wir erst BBQ und danach eine großes Lagerfeuer und zum Abschluss ein Feuerwerk das war echt cool.

Zum Schulabschluss sind dann alle Schüler ins Schulcamp gefahren. Ich bin nach Auckland geflogen. Auckland ist die größte Stadt Neu Seeland und meine Freunde fanden Auckland riesig, ich nicht.

Und als ich aus dem Schoolcamp aus Auckland wiedergekommen war, hatte ich meine Gastfamilie in Australien.

Vorher hatte ich meine letzten Tage auf der Feilding High School und war richtig traurig. Aber es war Sommer und Weihnachten kam immer näher. In Bulls hatten wir eine Weihnachtsparade und ich durfte mit der Tochter vom Nachbarn auf einem geschmückten Wagen mitfahren, im Kuhkostüm und mit Weihnachtsmütze.

Weihnachten im Sommer war zwar komisch, aber echt cool. Am 25.Dezember hat jeder morgens seine Geschenke ausgepackt und der Höhepunkt ist der gemeinsame Lunch mit der Familie. Es war nicht so festlich und dadurch kam bei mir keine Weihnachtsstimmung auf. Dafür war es sehr lustig. Am Boxingday, 26.12, waren wir mit der Familie am Strand.  Danach ging es wieder nach Taupo mit meiner Gastfamilie und Morgan. Wir haben Freunde von der Schule getroffen und auch abends mit denen unsere Freizeit verbracht. Silvester war ich erst bei Gabi, da war ich immer nach der Schule, und wir hatten gemeinsam Dinner. Anschließend bin ich nach Feilding und war mit Morgan und Freunden auf einer New Year Party.

Und dann kam der Tag des Abschieds. Am Abend vorher hatte ich eine kleine Überraschungsparty von meinen Freunden. Am Flughafen waren auch meine Freunde und deren Familien um mich zu verabschieden. Es war so traurig, als wir uns verabschiedet haben, ich wollte nicht gehen, ich wollte nicht in den Flieger nach Sydney steigen!
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass meine awesome  Zeit vorbei war, ich nie wieder auf die Feilding High School gehen werde und mein Leben hier, meine Familie und meine Freunde verlassen muss.

Der 2.Teil meines Abenteuers führte mich in einen Vorort von Canberra, der Hauptstadt Australiens.
Canberra ist die größte Stadt im Landesinneren und liegt 286 km südwestlich von Sydney und 669 km nordöstlich von Melbourne.
Man nennt Canberra auch „Busch-Hauptstadt“, da diese als Gartenstadt mit viel naturbelassenen Flächen gebaut wurde. Da sich Sydney und Melbourne nicht einigen konnten, welche Stadt nun Hauptstadt sein sollte, wurde Canberra als Kompromiss geplant und ist so groß wie Bielefeld.

Kombi- Austauschjahr, die letzten Monate in Australien

In Australien erwartete mich meine Gastmutter und meine Gastschwester, ebenfalls eine Austauschschülerin jedoch aus den Niederlanden. Sie war einen Tag vor mir angekommen.
Meine Gastfamilie lebt in Australien und in Europa. Meinen Gastvater habe ich nur kurz kennengelernt, da er in Frankreich arbeitet und über Ostern zu Besuch kam. Meine Gastschwester Anna besucht ein Internat und ist nicht jedes Wochenende zu Hause. Nicolas studiert in den Niederlanden, James machte zur gleichen Zeit sein Austauschjahr in Lingen, Niedersachsen und Alix war zum Zeitpunkt meiner Ankunft mit Freunden im Urlaub auf Hawaii. Meine beiden Gastbrüder habe ich leider nicht kennengelernt.
So waren wir zu viert, meine Gastmutter, ihre Tochter Alix, die ein französisches Gymnasium in Canberra besucht hat und Kirsten, aus den Niederlanden und Gwendoline der Hund.

Kirsten und ich waren auf dem Dickson Collage angemeldet. Dieses Collage war nur für Year 11&12 und echt locker. Wir hatten freies WiFi und durften auch ganze Zeit mit dem Handy spielen. Es war erlaubt zu Rauchen und die Lehrer, selbst den Schulleiter sprach man mit Vornamen an. Leider hatte die Schule keine Schuluniform, die habe ich am meisten vermisst.
Diesmal hatte ich die Fächer: PE, English, Photography, Media, Food 4 life gewählt und zusätzlich gab es noch 8 freie Stunden in der Woche, wo man einfach machen konnte, was man wollte. Ich war wieder in Year 11 und somit war nicht nur ich, sondern auch alle Klassenkameraden neu an der Schule und es war einfach neue Freunde kennenzulernen.

In Australien habe ich mit meinen Freunden an einem Wochenende ein Multi Culture Festival besucht. Dabei waren auch richtig viele deutsche Stände und sehr teuer. Da ich mehrere Wochen kein Deutsch mehr gesprochen hatte, habe ich die Verkäufer angesprochen. Ich war sehr erschrocken, wie unhöflich Deutsche sind. Die wollten nur wissen, ob ich etwas kaufen möchte. Australier und Neuseeländer sind so viel offener und gesprächiger. Es ist so normal, sich mit fremden Menschen zu unterhalten. Man redet z.B. an der Kasse mit dem Kassierer oder wenn man in den Bus einsteigt mit dem Busfahrer und anschließend bedankt man sich für die Dienstleistung. Jeder ist so nett hier und es ist auch so normal sich zu entschuldigen, wenn man jemanden aus Versehen anrempelt.

Auch wenn ich Neuseeland sehr vermisst habe, habe ich mich ziemlich schnell in Australien eingelebt. Ich hatte wieder eine tolle Gastfamilie, bei der ich mich wohlgefühlt habe und mich als Familienmitglied gefühlt habe und auch in der Schule schnell Freunde gefunden. Meine Gastschwester Alix und ich sind in den wenigen Wochen wie richtige Schwestern zusammengewachsen. Wir hatten so viel Spaß zusammen, es war wie sleepover jede Nacht.
Ganz anders empfand das meine niederländische Gastschwester. Sie hat der australischen Partnerorganisation erzählt, dass sie sich nicht mit Freunden treffen darf und dass sie kein Essen bekommt, weil unsere Gastmutter so lange arbeitet. Dabei durften wir uns mit Freunden verabreden und wenn kein Bus mehr fuhr, hat unsere Gastmutter uns abgeholt. Sie war an unseren täglichen Erlebnissen interessiert und hat sich trotz ihrer langen Arbeitszeit täglich Zeit zum Reden mit uns genommen. Essen gab es auch immer reichlich. Meine niederländische Gastschwester hat sich nur nicht verabredet, weil sie nur am Skypen mit zu Hause war. Ihr Abenteuer Austauschjahr dauerte dreieinhalb Wochen. Dann ist sie wieder nach Hause geflogen. Darüber war ich sauer, so eine tolle und teure Chance einfach wegzuwerfen.

Und irgendwie ging es so schnell, meine Zeit auf dem Dickson College war vorbei. Wir hatten Spring Break (Osterferien) und meine andere Gastschwester kam aus dem Internat nach Hause. Mit meiner Gastfamilie ging’s dann an die Central Coast, Gosford. Dort habe ich dann endlich auch Dingos und Koalas gesehen. Koalas sind so süß, am liebsten würde ich eins als Haustier haben.
Wir waren viel am Strand und in Sydney. Ostern gibt es in Sydney eine riesige Eastershow. Karussells, Achterbahnen, Delikatessen, Kunst, Autos, Motorräder und Shows. Das war so viel, man konnte an einem Tag nicht alles sehen. Abends gab es ein riesiges Feuerwerk.
Wir waren am Bondi Beach, Opera House und an der Harbour Bridge.

Auch in Australien wurde von der Organisation eine gemeinsame Reise für die Austauschschüler angeboten. Wir sind in Sydney gestartet und nach Alice Springs geflogen. Dort haben wir Aboriginis getroffen, die  uns über ihr Leben, Kultur und Traditionen berichtet haben und für uns auch traditionell gekocht haben.
Wir waren auch im Kings Canyon und natürlich am großen Uluru Rock. Wir sind nicht auf den Uuru Rock gestiegen, weil man damit den Aboriginis den Respekt verweigert. Von dort ging es durch die Wüste nach Cuppa Pedy, einer Stadt in der Wüste, wo es so heiß ist, dass die Einwohner unter der Erde in Höhlen leben. Die Menschen leben dort um Opale zu finden. Ich habe auch gesucht, aber nichts gefunden. Dann ging es weiter über Gladstone, Adelaide und Melbourne.

Einen Tag nach meiner Outback Tour war mein Austauschjahr vorbei. Es ging zurück nach Deutschland, zurück in mein altes Leben. Einerseits wollte ich noch bleiben, es war das bisher tollste Jahr meines Lebens. Aber ich wollte auch wieder meine Familie und Freunde sehen und sie an meiner Zeit abroad teilhaben lassen, denn vermisst habe ich sie trotz der tollen Zeit sehr.

Der Tag meiner Abreise hat sehr früh begonnen, um 3:45 Uhr klingelte der Wecker. Dieser Tag war ein besonderer Tag, Nationalfeiertag, denn der 25. April ist ANZAC Day. Was ist das? Der 25. April 1915 ist der Jahrestag der ersten Militäraktion von australischen und neuseeländischen Truppen sowie Soldaten aus Tonga im Ersten Weltkrieg – der Landung auf Gallipoli. Die Schlacht von Gallipoli führte zu erheblichen Verlusten unter den australischen, neuseeländischen und tongaischen Soldaten, die in einer Streitmacht geführt wurden. Die Gedenkstunde startete bevor Sonnenaufgang, um 5.30 Uhr. Direkt danach sind wir zum Flughafen und eine unbeschreibbar tolle Zeit war endgültig vorbei. Und wieder ein Abschied, der mir so schwer fiel, aber ich wusste, wir sehen uns bald wieder.
Nach weiteren anderthalb Tagen bin ich in Frankfurt gelandet und war glücklich endlich wieder meine Eltern zu sehen.

Zwei Monate später durfte ich meiner australischen Gastmutter und meiner australischen Gastschwester Alix meine Eltern und meine lippische Heimat  vorstellen. Sie haben uns besucht und wir haben viel unternommen, waren u.a. am Hermannsdenkmal, an den Extersteinen und im Hexenbürgerhaus in Lemgo. Ein weiteres Highlight war der gemeinsame Besuch meiner Gastschwester und mir im Go-Park. Australier dürfen mit 16 Auto fahren, aber Party und Alkohol sind tabu. Danke, an meine Eltern und Gastmutter, dass wir diesen ersten Schritt gemeinsam erleben durften.


You build a life in ten month

You build a life for fifteen years

And leave it for ten month.

And leave it forever.

Which one is harder?

Leah H. (10b)
Februar 2016